KirchengemeindeSegeberg

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Ich glaube – hilf meinem Unglauben!

Glaube und Un-Glaube,
Vertrauen und Zweifel gehören zusammen, bedingen sich.
Darum geht es in der Jahreslosung 2020

Sie wollten wirklich so gerne helfen – die Jünger*innen.
Vergeblich haben sie versucht, den kranken Jungen zu heilen.
Er ist von einem unreinen Geist, einem Dämon, besessen.
Heute würden wir Epilepsie dazu sagen.
Jesus selbst hatte die Jünger*innen beauftragt, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen.
Hatte ihnen die Vollmacht dazu gegeben (Mk 6,7-12).
Sie versuchen es auch – zunächst mit Erfolg.
Doch hier scheitern sie.
Der Vater weiß nicht mehr weiter.
Er liebt seinen Sohn.
Seit Jahren macht er sich Sorgen.
Hat Angst, dass ihm noch Schlimmeres passieren könnte.
Hat alles Menschenmögliche und Menschenunmögliche versucht.
Wollte seinem Sohn helfen und ist doch hilflos.
Inständig wendet er sich an Jesus: „Hab Erbarmen!“
„Alles ist möglich dem Menschen, der glaubt", erwidert Jesus.
Verzweifelt schreit der Vater: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben!"

Un-Glaube.
Unglaube wird in Theologie und Glaubensgeschichte oft als zu schwacher Glaube verstanden.
Aber: Ist nicht „Un-Glaube" Bestandteil unseres Glaubens? Gehört nicht der Zweifel dazu?
Ich kann ihn verstehen, den Vater, der vermutlich schon so oft geglaubt und gehofft hat, dass etwas seinem Sohn helfen könnte – und enttäuscht wurde?

Ist es nicht so, dass wir Menschen Erfahrungen machen, die uns das Vertrauen ins Leben nehmen und auch unseren Glauben?

Un-Glaube
Das kleine „un-“ nimmt dem Glauben seine positive Füllung.
Es nimmt das, was Halt und Sicherheit schenkt, einfach weg.
Dem Guten und Vertrauten wird die Wärme, die Kraft entzogen.
Und wir starren fassungslos das an, was geblieben ist.
Wenn da überhaupt was geblieben ist …
Das was wir uns doch genauso wärmend, belebend, ermutigend wünschen würden, wie es immer für uns gewesen ist.
Gerade jetzt.
Wo ich so haltlos bin – und mich nach Halt sehne.
So kraftlos – und so dringend Kraft benötige.
So erstarrt – und Wärme und Lebendigkeit brauche.
Möge es doch so sein!
Möge es wieder so werden!
In Glaubenssprache heißt das: Auch wenn ich es jetzt nicht glauben kann, erweise du dich dennoch als Gott meines Lebens!
Ich glaube – hilf meinem Unglauben!

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,“ ruft Jesus, dessen Geburt wir gerade gefeiert haben, Jahre später am Kreuz.
In seiner Gottverlassenheit schreit Jesus zu Gott.
Wo Jesus an Gott zweifelt, hält er an Gott fest.
In seinem Unglauben lässt er Gott nicht los.

Ich glaube – hilf meinem Unglauben!
Die Jahreslosung beschreibt eine Lebensbewegung und damit eine der wichtigsten Glaubens-Bewegungen zugleich.
Glaube und Un-Glaube,
Vertrauen und Zweifel gehören zusammen,
bedingen sich.
Nur dann, wenn ich diese Bewegung zulasse, kann sich beides lebendig ändern und dabei in Beziehung zueinander bleiben.
Auch und gerade das ist in meinen Augen Glauben.
Ich glaube, du bist da. Immer.
Lachst mit mir, wenn ich mich freue.
Sammelst meine Tränen, wenn ich weine.
Bleibst bei mir, wenn ich das Weite suche.
Rührst mich an, wenn ich erstarre.
Findest mich, wenn ich mich verliere.
Hilfst mir auf, wenn ich falle.
Machst mir Mut, wenn ich Angst habe.
Siehst mich, wenn ich dich nicht sehe.
Hältst mich aus, wenn ich zweifle.
Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Pastorin Elke Hoffmann

Foto: Ben White auf unsplash.com