KirchengemeindeSegeberg

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angedacht

Weihnachten ist vorbei: Wir sind den Hirten zur Krippe gefolgt, haben den Stern über dem Stall leuchten gesehen, und gefeiert, dass Gott mitten unter uns ist.
Nun geht der Weihnachtsfestkreis zu Ende.
In Italien gibt es eine Geschichte, die zum Epiphaniasfest erzählt wird: Die Geschichte der Befana, einer alten, sehr liebenswürdigen Hexe.
Die drei Weisen kamen auf dem Weg nach Bethlehem am Haus der Hexe Befana vorbei. Sie klopften und fragten, ob die Hexe nicht mitkommen wolle, dem Stern folgen zur Krippe, um den neuen König zu ehren.
Sicher, die Befana wollte auch mit!
Aber jetzt sofort? Sie war gar nicht vorbereitet: sie putzte gerade ihr Haus, hatte die hässlichsten und ältesten Sachen an und ein Geschenk hatte sie auch nicht. Sie war einfach noch nicht fertig. Also putzt sie noch ihr Haus fertig, zieht sich etwas Hübsches an, ein gutes Kopftuch und ordentliche Schuhe und besorgt ein Geschenk. Ja, sie trödelt auch ein wenig.
Als sie endlich fertig ist zum Aufbruch, den Besen abflugbereit in der Hand, da sind die Sterndeuter schon weitergezogen. Und der Stern ist erloschen.
Oh je. Was nun?
Die Befana wollte den Heiland doch auch begrüßen, ihm etwas schenken. Sie schwingt sich auf ihren Besen und fliegt los.
Die Sterndeuter hat sie nicht mehr eingeholt und die Krippe hat sie nie gefunden. Seitdem fliegt sie jedes Jahr am 6. Januar in alle Häuser und beschenkt dort die Kinder. In der Hoffnung, dass das Jesuskind unter ihnen ist.

Mir gefällt diese Geschichte. Der ganze Kosmos bricht auf, um den neuen König zu begrüßen: Und die Befana? Die vertrödelt die Ankunft des Heilands. Sie ist einfach noch nicht fertig, als Gott in die Welt kommt.
Wie schnell kann das passieren? Die Sterndeuter sind weg, der Stern leuchtet nicht mehr, die Befana findet die Krippe nicht mehr.
Aber: Sie geht nicht zurück in ihr Haus. Sie schwingt sich auf ihren Besen und fliegt los. Obwohl sie keine Ahnung hat, in welche Richtung sie muss oder wie lange sie unterwegs ist. Sie macht sich auf den Weg, sie will Gott begegnen. Und unterwegs: beschenkt sie Andere.
Der Weihnachtsfestkreis geht zu Ende, der Alltag hat uns wieder: Wir sind wieder beschäftigt oder wir trödeln, wir haben einen Plan oder sind ziellos, wir sind gut vorbereitet oder noch nicht fertig. Aber: Weihnachten ist nie vorbei: Gott ist in der Welt, er wartet schon auf uns.

Donata Cremonese

Bildnachweis: La befana vien di notte, Foto von ho visto nina volare via Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)