KirchengemeindeSegeberg

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Das Herz wird nicht dement
Sonntagsgedanken

„Können Sie mir sagen, wer die nette Frau war, die mich immer ‚Papa‘ genannt hat?“ fragt mein Vater nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken.
„Das war deine Tochter Elke“, sage ich.
Ja, natürlich weiß ich, dass mein Vater Demenz hat. Ich habe mich informiert. Lese Zeitschriftenartikel. Schaue im Internet. Im Kopf ist das klar. Es ist ein normaler Prozess – das Vergessen.
Ich weiß nicht, mit wem mein Vater eben am Kaffeetisch gesessen und sich unterhalten hat. Er lebt in Welten und spricht mit Personen, die ich nicht sehe und oft nicht kenne.
Manchmal muss er ganz plötzlich aufstehen und irgendwohin gehen. Oder er sucht sein Zuhause, obwohl er doch zu Hause ist. Und manchmal erkennt er seine eigene Tochter nicht mehr. Das tut weh.
Doch da sind auch diese anderen Momente.
„Von guten Mächten wunderbar geborgen …“ beginne ich zu singen.
Mein Vater stimmt ein: „… erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Das Herz, das Herz wird nicht dement.

Pastorin Elke Hoffmann